DEUTSCHLANDS DIGITALE EXPORTWELTMEISTER

Deutschlands digitale „Hidden Champions“ zeigen: Der Mittelstand hat die Zeichen der Zeit erkannt.
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Deutschlands Beziehung zur Digitalisierung ist kompliziert, das zeigen zwei Ereignisse im November. Zum einen kündigte die Bundesregierung an, in den kommenden sechs Jahren mindestens drei Milliarden Euro in den Ausbau der KI-Forschung zu investieren: Deutschland soll dadurch endlich Anschluss an die Weltspitze in diesem strategisch wichtigen Bereich bekommen, so hoffen Kanzlerin und Minister.

Als „einen Witz“ bezeichnete Spiegel-Kolumnist Christian Stöcker das Vorhaben: Eher werde Griechenland Fußballweltmeister als Deutschland führend im KI-Bereich. Die angekündigte Summe sei lächerlich, wenn man sie mit den Ausgaben der KI-Spitzenreiter China und USA vergleiche.

Zum anderen brach die Apple-Aktie um vier Prozent ein. Verlust? 35 Milliarden Dollar. Doppelt so viel wie die Deutsche Bank aktuell an der Frankfurter Börse wert ist. Zahlen, die die enorme finanzielle Macht der amerikanischen Tech-Riesen deutlich machen. Apple und Co.  bauen ihren Vorsprung weiter aus – daran werden auch ihre Börsenverluste nichts ändern.

Amerikanische Dominanz ist offensichtlich

Wenn es um digitale Dienstleistungen geht, ist die Dominanz amerikanischer Unternehmen kaum übersehbar. Finanziell ist ihre Übermacht so groß, dass schon das Konzept des „digitalen Handelsdefizits“ vorgeschlagen wurde, um ihre Auswirkungen auf die deutsche Handelsbilanz messen zu können.

Hat Deutschland also das Rennen schon verloren? Ist der Digitalisierungszug am Land vorbeigefahren, während man selbstgefällig die positiven Konjunkturzahlen der vergangenen Jahre feierte?

Wer genauer hinschaut, erkennt schnell, dass sich einiges tut bei der Digitalisierung der deutschen Wirtschaft – vor allem bei den mittelständischen „Hidden Champions“. Unternehmen also, die in ihrem Marktsegment in Europa oder weltweit führend sind, ohne der breiten Öffentlichkeit bekannt zu sein. Hidden Champions melden jährlich mehr Patente an als große Konzerne. Sie haben begriffen, welche Chancen im Transformationsprozess Digitalisierung liegen.

Hidden Champions“ als Innovationsmotor

„Ich bin da überhaupt nicht pessimistisch“, antwortete der emeritierte Wirtschaftsprofessor Hermann Simon neulich auf die Frage, ob er sich um die digitalen Aussichten der KMU (kleine und mittlere Unternehmen) Sorgen mache. Simon, der den Begriff „Hidden Champions“ Mitte der 90er geprägt hat, verweist auf die Vielzahl deutscher Unternehmen, die unter dem Radar in hochinnovativen Feldern weltweit führend sind.

Da wäre zum Beispiel der 3-D-Druck. Wer mit dieser zukunftsweisenden Technologie metallische Werkstoffe produzieren will, kommt an deutschen Unternehmen nicht vorbei. Sie machen rund 70 % des Weltmarkts aus, so der Maschinenbauexperte Bernhard Langefeld von der Unternehmensberatung Roland Berger. „Die meisten sprechen von der digitalen Revolution. Aber im Bereich der Fabriken und der Produktion ist es eine Evolution, eine Entwicklung“, wird Langefeld in einem Beitrag von Zeit Online zitiert.

Wie viel Potential im Mittelstand steckt, zeigen auch Initiativen wie der „Digital Champions Award“, der jährlich die fortschrittlichsten Unternehmen prämiert. Unter den Gewinnern 2018 waren zum Beispiel der Biotechanbieter Qiagen. Er bietet Laborinstrumente zur Aufreinigung, Verarbeitung und Analyse von biologischen Proben in einem innovativen Onlineshop an. Oder die Tischlerei Dickmänken, ein traditionsreiches Familienunternehmen aus Rheine im Münsterland, das einen 3-D-Onlinekonfigurator für seine Kunden entwickelt hat.

Deutschlands digitale Exportweltmeister Quiagen

Einer der Gewinner beim „Digital Champions Award“ ist der Biotechanbieter Qiagen


Zukünftige digitale Spitzenreiter „Made in Germany“?

„Wir werden in Europa weder eine führende Suchmaschine noch ein großes Ökosystem für Smartphones aufbauen. In anderen Bereichen ist das Rennen aber noch nicht entschieden. Die zukünftig führenden Anbieter für Mobilität oder digitale Finanzdienstleistungen können noch aus Europa kommen“, meint auch Markus Humpert, ehemals Leiter des Bereichs „Digitale Transformation“ beim Bitkom-Verband und selbst Seriengründer. Mit M96 entwickelt er gerade eine Plattform für den Mittelstand, die Unternehmensentwicklung und Kooperation vereinfachen soll.

„Ein realistisches Ziel ist die Versorgung des europäischen Binnenmarktes mit digitalen Lösungen. Schon das wäre ein großer Schritt“, so Humpert. „Deutsche Unternehmen sollten ihre Stärken aus der analogen Vergangenheit auch in die digitale Zukunft tragen. Made in Germany und das TÜV-Siegel stehen weltweit für Qualität, Vertrauen und Sicherheit. Wir sollten die Modelle aus Asien und den USA nicht einfach kopieren, sondern diese Stärken in die digitale Welt überführen. Gepaart mit mehr Geschwindigkeit, Nutzerzentrierung und Risikobereitschaft.“

Berlin ist Deutschlands Einhorn-Hauptstadt

Deutschlands innovatives Herz schlägt in der Provinz und den Metropolen, bei den Hidden Champions und den Start-ups in Berlin, Hamburg und München. Besonders die Hauptstadt gilt mit ihren Start-up-Inkubatoren und Co-Working-Spaces als Innovations-Ökosystem, das Talente aus aller Welt anzieht. Berlin beherbergt mit Unternehmen wie Soundcloud oder Delivery Hero deutschlandweit die höchste Zahl an „Unicorns“. Diese „Einhörner“ sind Start-ups, deren Wert auf mehr als eine Milliarde Euro geschätzt wird.

Problematisch ist oft die Kommunikation zwischen diesen beiden Welten: dem traditionsbewussten Mittelstand auf der einen Seite und den hippen Start-ups auf der anderen. Das musste auch Dr. Daniel Wagenführer feststellen. Wagenführer ist General Manager Business Development & New Business beim mittelständischen Traditionsunternehmen TA Triumph-Adler, das in den vergangenen Jahren selbst eine drastische Transformation bewältigt hat und sich vom Schreibmaschinen- und Druckerhersteller zum ECM- und DMS-Lösungsanbieter entwickelte. „Als mittelständisches Unternehmen haben wir täglich viel mit Kunden zu tun, die oft selbst dem Mittelstand angehören. Hier sehen wir sehr fortgeschrittene Initiativen, und das Interesse beispielsweise an unseren standardisierten ECM-Lösungen wie dem TA-Business Optimizer (siehe Infokasten) ist sehr hoch.“

Der Mittelstand will eine „bodenständige Digitalisierung“

In eine ähnliche Richtung argumentiert auch Markus Humpert: „72 % der deutschen Unternehmen sehen in der Digitalisierung ihre größte Herausforderung. Dem Mittelstand fehlen aber oft die Ressourcen für große Digitalabteilungen. Meine Empfehlung: Mit den wichtigsten digitalen Säulen anfangen. IT-Sicherheit, digitale Prozesse und digitales Marketing. Dann kann man sich in einem zweiten Schritt den Themen neue Geschäftsmodelle und Start-up-Kooperationen widmen.“ Das hat auch TA Triumph-Adler erkannt und neben der Kooperation mit dem IT-Hochsicherheitslösungsanbieter Bundesdruckerei schon vor geraumer Zeit mit der TA Zukunftsfabrik eine Start-up-Initiative entwickelt.

Wagenführer hat klare Vorstellung, wenn es um die Entwicklung einer neuen Unternehmenskultur geht, die beide Welten zusammenführen kann: „Das Problem ist, dass kleine Unternehmen mit dem ganzen Hype und Glamour um die Start-up-Welt oft wenig anfangen können. Ich habe deshalb in Zusammenarbeit mit meinem Kollegen Christopher Rheidt den Begriff der bodenständigen Digitalisierung geprägt, der die Bedürfnisse des Mittelstands stärker in den Vordergrund rückt: weniger Schein, mehr Sein.“

Fazit: An Bewusstsein für die strategische Bedeutung der Digitalisierung mangelt es beim Mittelstand nicht. Was gefragt ist, sind konkrete Lösungen, die in einfachen, modularen Schritten umsetzbar sind.

Tschüss Aktenschränke – hallo Zukunft! 

Einfacher Einstieg ins digitale Dokumentenmanagement: Der „TA BusinessOptimizer“ ist eine Server-Softwarelösung, in der zentral alle Dokumente abgespeichert werden können und der Anwender via Softwareclient darauf zugreifen kann. Das macht den Umgang mit Verträgen sowie Personal-, Kunden- und Lieferantenakten deutlich effizienter – und außerdem DSGVO-rechtskonform. Vier komfortable Apps (Contract Management, Human Resources, Sales & Distribution, Procurement) schaffen dabei eine zentrale Informationsplattform. 

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