S wie Selbstbewusstsein

„Du kannst alles werden!“ So löblich es ist, dass Eltern ihre Kinder unterstützen statt zu bremsen, ihr ständiges Schulterklopfen verformt den Geist stärker als den Körper. Das zeigt sich in der Schule, wenn Eltern bei unbefriedigenden Noten nicht ihre Sprösslinge, sondern deren Lehrer ins Gebet nehmen. Das zeigt sich zunehmend auch an Hochschulen, die Arbeiten nur noch in der Qualitätsspanne zwischen „sehr gut“ und „gut“ bewerten – sodass eine Note von 2,3 ziemliches Totalversagen widerspiegelt. 

Wer alles werden kann und während der Ausbildung zudem mit guten Noten überschüttet wurde … nur mal so als These: Könnte es sein, dass das überbordende Selbstbewusstsein vieler junger Frauen und Männer daher rührt? Dass all das Schulterklopfen sie schlecht vorbereitet hat auf die Arbeitswelt? Dass sie angefasst auf Kritik reagieren, weil sie arg selten kritisiert wurden? „Einem Z-Typ darf ich nicht ins Gesicht sagen, dass er etwas falsch gemacht hat. Das würde ihn völlig durcheinanderbringen“, sagt BWL-Professor Christian Scholz von der Universität des Saarlandes und setzt noch einen drauf: „Die Generation Z ist durch Facebook gewöhnt, dass es ein ,Like‘ gibt – aber kein ,Not-Like‘.“  

Das ist misslich, für die Arbeitgeber – und für die Digital Natives selbst. Auch wenn Arbeitgeber ihre Kritik (sinnvollerweise) als „konstruktives Feedback“ kleiden, um ihre jungen Talente nicht zu verschrecken: Sie müssen unbefriedigende Leistungen ansprechen. Und die Nachwuchskräfte? Fühlen sich unverstanden und persönlich in Frage gestellt und vermissen Wertschätzung. Sie springen ab – in der Hoffnung, anderswo glücklicher zu werden. 

Meist vergeblich. Wer die geforderte Leistung nicht bringt, wird nirgendwo glücklich werden. Der Realitäts-Schock ist eigentlich nur ein Realitäts-Check. Und gibt dem eigenen Selbstbewusstsein ein Koordinatensystem jenseits von Hybris. Der Weg dorthin ist mühselig, doch bitte nicht vergessen: für beide Seiten.

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