SERIE: TELEMEDIZIN IM FOKUS

#3: Was kann und darf Telemedizin?
#Effizienz # E-Health #Wirtschaft #Digitalisierung

In den Teilen eins und zwei unserer fünfteiligen Serie haben wir uns mit den Hintergründen und wichtigsten Anwendungsbereichen von E-Health beschäftigt. Im dritten Teil nun richten wir den Fokus auf die Telemedizin. Dass Patienten sich online oder per Telefon behandeln lassen, ist dank modernster Technik keine Seltenheit mehr. Aber wie weit entwickelt ist die Telemedizin wirklich? Und was wird die Zukunft noch bringen? (Im Zwei-Wochen-Rhythmus widmen wir uns mit dieser Serie dann noch den Chancen sowie Risiken von E-Health.) 

Telemedizin: Was ist das überhaupt?

In einem Satz: Telemedizin bezeichnet jene Diagnostik und Therapie, die mittels Telekommunikation räumliche und zeitliche Distanzen zwischen Ärzten, Therapeuten, Apothekern und den Patienten überbrückt. So sind beispielsweise der Gang zum Arzt und der Aufenthalt im Wartezimmer recht zeitintensiv. Doch per Telefon, Videochat oder Messenger kann man sich zumindest eine erste medizinische Beratung direkt nach Hause holen. Vor allem Patienten auf dem Land und Menschen mit klarer Diagnose (etwa einer chronischen Erkrankung) profitieren von den Videosprechstunden. 

Auch die kontinuierliche Überwachung von Patienten ist per Telemedizin möglich. So ist es etwa bei Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder Herzinsuffizienz wichtig, Blutzucker- und andere Werte regelmäßig zu messen. Mithilfe von Smartphone-Apps oder Gesundheitsarmbändern können Patienten dies ohne viel Aufwand selbst tun bzw. tun lassen: Die Geräte senden die Daten automatisch zum betreuenden Arzt oder ins Krankenhaus.

Onlineberatung und Ferndiagnose: Klappt das wirklich?

Anfang Mai 2018 hat der Deutsche Ärztetag einen großen Schritt in Richtung Medizin der Zukunft gewagt. Der Beschluss: Ärzte in Deutschland dürfen ihre Patienten künftig per Telefon, SMS, E-Mail oder Online-Chat behandeln – auch ohne den bisher erforderlichen vorherigen persönlichen Kontakt in der Praxis. Der Beschluss sieht vor, dass es zukünftig zur Sorgfaltspflicht der Ärzte gehört, Patienten umfassend über ihre Online-Behandlung aufzuklären. Im Einzelfall ist der Ausschluss einer Beratung oder Behandlung über digitale Medien möglich, wenn dies medizinisch vertretbar ist und die erforderliche ärztliche Sorgfalt bei Diagnostik, Beratung, Therapie und Dokumentation nicht gewährleistet werden kann.

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In Zukunft nur noch online?

Telemedizin kann den persönlichen Kontakt zu medizinischem Fachpersonal bisher nicht vollständig ersetzen. Noch gibt es keine digitale Anwendung, die eine medizinische Untersuchung selbstständig durchführen und ausreichend gründlich analysieren kann. Da es aber bei 50 bis 70 Prozent der Arztbesuche um relativ einfache medizinische Fragen geht, können Patienten den Arzt hier auch online konsultieren. Dem Deutschen Ärzteblatt erklärte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen, Johann-Magnus von Stackelberg, Videosprechstunden und Online-Konsultationen könnten eine sinnvolle Ergänzung des traditionellen Arzt-Patienten-Verhältnisses sein. Die Ärzteschaft müsse „ihre übergroße Zurückhaltung“ bei diesem Thema aufgeben. „Aber eins muss ganz klar sein: Kein Patient darf zu einem virtuellen Kontakt gedrängt werden, wenn er einen Arzt von Angesicht zu Angesicht sprechen möchte“, sagt von Stackelberg.

Das Echo ist geteilt

Der Grundsatzentscheid des Ärztetages ist gefallen, jetzt sind die meisten der 17 Landesärztekammern am Zug: Sie müssen die regionale Berufsordnung sachgemäß anpassen. Bis dies flächendeckend geschehen ist, kann allerdings noch einige Zeit vergehen. 

Die Aufhebung des sogenannten Fernbehandlungsverbots stößt nicht nur auf Zustimmung. Während Skeptiker das Arzt-Patienten-Vertrauensverhältnis in Gefahr sehen oder davor warnen, dass Krankenkassen Telemedizin als Kostensparprogramm einsetzen, hoffen Unternehmen und Start-ups auf einen neuen Markt. Datenschutzkonforme Apps für Smartphones und Computer sowie Callcenter mit Ärzteteams für Ferndiagnosen sind Bestandteil vieler neuer Geschäftsideen.

Welche Chancen die Zukunft der E-Health-Branche mit sich bringt? Das erfahren Sie im vierten Teil unserer E-Health-Serie in zwei Wochen – hier bei Talking Future. In unserem nächsten Artikel dreht sich alles um das Potenzial und die Chancen, den Nutzen und Gewinn verschiedener Anwendungen der E-Health-Branche – es wird spannend, bleiben Sie dran!