SERIE: E-HEALTH-NEBENWIRKUNGEN UND FAZIT

#5: Herausforderungen und Perspektiven
#Effizienz # E-Health #Wirtschaft #Digitalisierung

Im fünften und letzten Teil der E-Health-Serie widmen wir uns nicht nur den Risiken von E-Health, sondern ziehen auch ein Fazit und schauen auf die Zukunftsperspektiven. Was wir bisher gelernt haben? Im ersten Teil ging es um die Grundlagen von E-Health; Teil zwei listete die wichtigsten Anwendungsbereiche auf; in Teil drei lag der Fokus auf Telemedizin, und Teil vier beschäftigte sich mit den Chancen und Potenzialen von E-Health. Zu jedem Beitrag gab es einen Ausschnitt unserer Infografik. Die komplette Grafik steht Ihnen nun unten zum Download zur Verfügung. Doch zunächst zu den „Nebenwirkungen“ von E-Health. 

„Vorreiter sein, nicht Bremser“ – mit diesen Worten warb Bundesgesundheitsminister Jens Spahn Anfang Mai in seinen Gastbeitrag im Nachrichtenmagazin Focus für die Digitalisierung im Gesundheitswesen. „Mein Ziel ist, dass die elektronische Gesundheitskarte, die Telemedizin, die Digitalisierung überhaupt den Alltag für Patienten, Ärzte und Pfleger spürbar besser macht und erleichtert. Gleichzeitig lässt sich die Qualität der Arbeit erhöhen.“ Zwischen Wunsch und Wirklichkeit klafft allerdings noch eine Lücke.   

2016 hat die Politik das E-Health-Gesetz auf den Weg gebracht. Doch es basiert auf Anwendungsszenarien und Annahmen von Informations- und Kommunikationstechnik, die zumindest teilweise veraltet sind. Die technologische Entwicklung ist wie so oft schneller als die Politik. Zwar hat das Bundesgesundheitsministerium im September 2017 einen zweiten Teil des E-Health-Gesetzes angekündigt – darin geht es vor allem um die Einführung und die Rahmenbedingungen der elektronischen Patientenakte (ePA) und das Versichertenstammdatenmanagement (VSDM). Doch auch hier wartet der technische Fortschritt nicht und entwickelt sich schneller, als die Politik Gesetze verabschieden kann. So hat zum Beispiel der Chef des AOK-Bundesverbandes, Martin Lietsch, die elektronische Gesundheitskarte bereits für gescheitert erklärt. Der Rheinischen Post sagte Lietsch in einem Interview, dass das System der Gesundheitskarte vorsieht, dass Patienten ihre Daten nur in der Arztpraxis einsehen können. „Sie müssen jederzeit Zugriff haben“, forderte der AOK-Chef. „Auch über ihre Smartphones.“

Die Entwicklung des E-Health-Sektors steht vor folgenden Herausforderungen: 

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1. Interoperabilität 

Computer benötigen nicht nur einen gemeinsamen Standard, um Daten austauschen zu können. Der Austausch muss auch sicher sein, besonders im Falle medizinischer Daten. Im Gesundheitssystem sind jedoch viele verschiedene Systeme verschiedener Anbieter im Umlauf, was den Datenaustausch erschwert – die sogenannte Interoperabilität ist dann nur eingeschränkt gewährleistet. Interoperabilität beschreibt die Fähigkeit voneinander unabhängiger, heterogener Systeme, möglichst nahtlos zusammenzuarbeiten, um Informationen auf effiziente und verwertbare Art und Weise auszutauschen bzw. dem Benutzer zur Verfügung zu stellen, ohne dass dazu gesonderte Absprachen zwischen den Systemen notwendig sind. 

Ein Beispiel: Die elektronische Patientenakte gilt als die „Königsdisziplin“ für Interoperabilität im Gesundheitswesen. Sie sei das „notwendige Instrument, damit alle Behandler im Hinblick auf Mehrfacherkrankungen und chronisch Erkrankte alles Wissen zur Verfügung haben“, sagte Hermann Gröhe, Vorgänger des aktuellen Gesundheitsministers Jens Spahn, 2017 dem Deutschen Ärzteblatt. Es müsse endlich Schluss damit sein, dass Patienten als Datenträger missbraucht würden, indem sie „Befunde in braunen Umschlägen von Arzt zu Arzt tragen“. Stand heute: Nach unzähligen Verzögerungen ist die telematische Infrastruktur (Online-Gesundheitsnetz, ermöglicht organisationsübergreifenden Datenaustausch), mit deren Hilfe die Gesundheitsdaten von rund 72 Millionen gesetzlich Krankenversicherten vernetzt werden sollen, endlich einsatzbereit. Auf der Kippe steht das Projekt aber vor allem, weil Netzwerkstruktur und Zugangsmöglichkeiten für Patienten zumindest in Teilen nicht mehr zeitgemäß sind. Spahn hat angekündigt, die gesamte Initiative um die Patientenakte zu überprüfen, um dann grundlegende Weichenstellungen vorzunehmen. Zur Eröffnung der Digital- und Branchenmesse conhIT in Berlin erklärte der Minister im April dieses Jahres, dass es in seinem Haus bis zum Sommer eine „intensive Bestandsaufnahme“ der Patientenakte, des Marktes sowie der bisherigen Digitalisierung im Gesundheitswesen geben werde.

Bei der Interoperabilität geht es also nicht allein um technische Standards, es geht auch um die Bereitschaft zur Kooperation, um das gemeinsame Ziel, den Patienten bei seiner Reise durch das Gesundheitswesen, auf dem Weg seiner Behandlung, ganzheitlich digital zu begleiten. 

 

2.  Prozessqualität

Die Prozessqualität beschreibt die Qualität der Abläufe in Krankenhäusern, Praxen usw. Es geht um alle ärztlichen, pflegerischen und administrativen Tätigkeiten, die direkt oder indirekt Teil des Versorgungsprozesses sind. Bei der Prozessqualität stellt sich die Frage nach dem „Wie“ der medizinischen Behandlung: Wie wird therapiert? Wie läuft der Behandlungsprozess ab? Damit die Prozessqualität hoch bleibt, braucht es klare Regeln und Strukturen. Bei der Prozessoptimierung im E-Health-Bereich übernimmt die IT eine klare Treiberfunktion, denn viele Abteilungen ziehen bereits großen Nutzen aus elektronischen Systemen, die Arbeitsabläufe erleichtern, Kosten reduzieren und vorhandene Ressourcen auslasten (TA Triumph-Adler bietet hier beispielsweise Lösungen bei der digitalen Patientenaufnahme, der mobilen Datenerfassung oder auch dem Entlassmanagement an). 

 

3.  PACS, KIS und Co.

Daten werden heute in Gesundheitseinrichtungen überwiegend digital erzeugt, versendet und gespeichert. Für die Erfassung und Verwaltung dieser Daten gibt es verschiedene Informationssysteme: Krankenhäuser verfügen über ein Krankenhaus-Informationssystem (KIS), ein Radiologie-Informationssystem (RIS) sowie ein Bilddatenarchivierungs- und Informationssystem (PACS). Bei dieser Vielfalt, so eHealth.com, das Fachmagazin für Gesundheitstelematik, Telemedizin und Health-IT, fragt man sich, ob so viele unterschiedliche Systeme für Krankenhäuser und das Gesundheitswesen insgesamt nötig und sinnvoll sind: Ist das Nebeneinander eine organisatorische und technische Notwendigkeit oder lediglich der historischen Entwicklung geschuldet? Können die Aufgaben des RIS heute bereits anteilig von KIS und PACS übernommen werden oder sind dann die reibungslosen Abläufe gefährdet? 

Wichtig bei diesen technischen Infrastrukturen: Die Einführung ist vergleichsweise teuer und aufwendig, was viele Beteiligte abschreckt. Langfristig sind diese Infrastrukturen, die auch verlässliche Standards mit sich bringen, das Fundament, auf dem sich E-Health-Innovationen ausbreiten können.


4.  Breitbandausbau

Die Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen kommt auch deshalb nicht schnell genug voran, weil die Internetversorgung in Deutschland unzureichend ist. „Das ist, als wolle man Autofahren, aber ohne Straße", sagte der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, anlässlich des 16. Baden-Württembergischen Hausärztetages im März dieses Jahres in Stuttgart. Von der Digitalisierung erwartet Weigeldt eine bessere Kommunikation zwischen Ärzten, Patienten und Krankenkassen sowie einen Abbau von Bürokratie. Doch viele Wünsche blieben mangels durchgängiger Internet-Infrastruktur noch offen. So etwa ein elektronischer Medikationsplan, auf den Arzt und Apotheker Zugriff haben.

Gerade auf dem Land ist der Breitbandausbau wichtig, weil dort Videosprechstunden, für die große Datenmengen transportiert werden müssen, die Versorgung signifikant verbessern können. Auch könnten Patienten mit schnellem Internet leichter Erkrankungen via Online-Sprechstunde beim Hausarzt diagnostizieren lassen. Laut dem Informationsportal PC Welt standen 2017 jedoch nur rund jedem dritten Haushalt auf dem Land Bandbreiten von mindestens 50 MBit/s zur Verfügung. 

Wenn Herzschrittmacher bald per Funk mit Computern kommunizieren, sollte man dafür nicht in die Stadt fahren müssen. 

 

5.  Usability

Warum Usability bei E-Health-Anwendung so wichtig ist? Eine einfache Bedienbarkeit ist ein entscheidender Erfolgsfaktor: Im Fokus steht hier der (ältere) Patient, auch End-User genannt. Diese End-User kommen oftmals gar nicht so weit, dass sie sich mit dem möglichen Mehrwert der E-Health-Lösung auseinandersetzen, weil sie Apps und Programme falsch bedienen oder weil ihnen wichtige infrastrukturelle Vorrausetzungen (Internetanschluss, WLAN, Handysignatur, Eingabegeräte etc.) fehlen. Grundsätzlich gilt: 

Wer digitale Gesundheitslösungen entwickelt, muss sich mit den spezifischen Zielgruppen auseinandersetzen. Die Praxis zeigt, dass zum Beispiel mobile Apps grundsätzlich intuitiver und leichter zu bedienen sind als PC-Anwendungen. Deshalb werden sie mit Vorliebe für Telemonitoring der Körperfunktionen eingesetzt. So benutzen auch die Senioren, die sich mit PCs nie so recht anfreunden konnten, gerne Smartphones und Tablets. 

 

6.  IT-Sicherheit und Datenschutz 

Datenschutz und IT-Sicherheit gehören zu den größten Herausforderungen für das Risikomanagement von Unternehmen im digitalen Gesundheitswesen. Personalisierte Gesundheitsdaten erfordern ein Höchstmaß an Sicherheit und Privatsphäre. Die steigende Anzahl von Datenverstößen und Hackerangriffen (2016 und 2017 waren mehr als zwei Drittel aller deutschen Unternehmen und Institutionen betroffen) – und die daraus resultierenden Konsequenzen wie finanzielle Einbußen und Reputationsverlust – erfordern, dass digitale Gesundheitsunternehmen bei der Verwaltung medizinischer und nicht medizinischer Daten besonders vorsichtig sind. Erst im Mai hat das BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) zum Beispiel die Anforderungen an vernetzte Medizinprodukte wie medizinische Apps und Wearables erhöht. Hersteller müssen jetzt eine Risikoanalyse erstellen und die dort identifizierten Risiken dokumentieren und minimieren. Das IT-Sicherheitsgesetz verlangt zudem von Betreibern kritischer Infrastrukturen, kurz KRITIS, dass sie ihre Netze besser schützen und Angriffe melden. 

Beim Thema Datenschutz greift die EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Die besagt, dass jeder Patient die uneingeschränkten Eigentumsrechte auf seine Daten hat. Und nicht nur das: Er muss zudem in der Lage sein, in den Besitz seiner Daten zu kommen. Er braucht Zugriff darauf, hat das Recht, alle Informationen, die von und über ihn vorhanden sind, einzusehen, andere dazu zu autorisieren und vor allem diese zu löschen. Für E-Health-Unternehmen bedeutet das im ersten Schritt vor allem eins: eine lückenlose Protokollierung aller Datenverarbeitungsschritte.   


Fazit: Das Zukunftsinstitut prognostiziert, dass ab dem Jahr 2025 differenzierte Expertensysteme für Diagnose und Therapie ans Krankenhaus-Informationssystem (KIS) gekoppelt sein werden und den Ärzten proaktiv Hinweise und automatisch Hilfestellung geben werden. Hier sind das Durcheinander der Standards (etwa Telematik-Infrastruktur) und die Koordination der Akteure die größte Herausforderung. Die Komplexität der Modernisierung des Gesundheitswesens ist beachtlich.

Abschließend lässt sich jedoch sagen, dass die Chancen, die E-Health-Innovationen versprechen, groß sind und die Entwicklung entsprechend treiben. Mit verbindlichen Rahmenbedingungen für die Digitalisierung des Gesundheitswesens lässt sich dann weiteres Potenzial realisieren.

Die gesamte E-Health-Infografik finden Sie nun hier.

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