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Digitalisieren mit ethischem Kompass

Corporate Digital Responsibility, kurz CDR, verlangt Unternehmen einen verantwortungsbewussten Umgang mit Daten und überhaupt mit digitalen Prozessen ab. Worauf kommt es dabei an?

Unternehmen sind gesellschaftliche Akteure. Sie geben Arbeit und sie stellen Produkte her oder erbringen Dienstleistungen. Gleichwohl haben Unternehmen das mit der Corporate Social Responsibility (CSR), also ihrer Verantwortung als gesellschaftlicher Akteur, früher eher lässig gesehen. Da wurde mal ein Sportverein oder ein Kulturevent gesponsert, der Kindergarten bekam eine neue Schaukel oder der Kirchturm eine neue Wetterfahne. So billig kommen Unternehmen heute nicht mehr davon. Wer sein Gewinnstreben über seine gesellschaftliche Verantwortung stellt, wird abgestraft. Mit Shitstorms in den Social Media und einem Boykott der Konsumenten. Wer verantwortungslos agiert, kann sich einen immensen Reputationsverlust einhandeln.

Das gilt auch für die Corporate Digital Responsibility, kurz CDR, sozusagen die digitale Ausprägung der gesellschaftlichen Verantwortung. „Ein verantwortungsbewusster Umgang mit der Digitalisierung prägt die Reputation eines Unternehmens“, sagt Angelika Pauer, Expertin für Digital Ethics & Responsibility beim Beratungsunternehmen PwC. Mit CDR wird Datenschutz in die Unternehmensprozesse, Produkte und Dienstleistungen integriert und transparent nach innen und außen gelebt. Es geht dabei um verantwortungsvolles digitales Handeln, das über regulatorische Anforderungen hinausgeht und als proaktive Selbstverpflichtung verstanden wird. „Als fester Bestandteil wird CDR in alle Unternehmensprozesse, Produkte und Dienstleistungen integriert und transparent nach innen und außen gelebt“, heißt es auf der Website des BVDW (Bundesverband Digitale Wirtschaft). Es gibt bereits einen CDR-Kodex mit „handlungsleitenden Prinzipien und Zielsetzungen“.

CDR: unternehmerische Verantwortung in der digitalen Sphäre

Corporate Digital Responsibility überträgt die unternehmerische Verantwortung in die digitale Sphäre: Ob es um einen verantwortungsbewussten Umgang mit Daten geht, um den Einsatz von Robotern oder überhaupt von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Produktion oder um die Utopie (oder Dystopie) eines Metaversums – eines virtuellen Universums. Für solche Herausforderungen einen verlässlichen moralischen und ethischen Kompass zu entwickeln, ist notwendig, da digital vernetzte Produkte und Dienstleistungen unseren Alltag jeden Tag ein wenig mehr erobern. „Von der vernetzten Fitness-Uhr bis zum KI-Assistenten im Smart Home: Digitale Produkte und Dienstleistungen bescheren Verbrauchern ein bislang unerreichtes Level an Personalisierung und Komfort“, sagt Nicolai Andersen, Chief Innovation Officer bei der Beratungsgesellschaft Deloitte. „Für Unternehmen eröffnen sie neue Geschäftsmodelle und Wachstumsoptionen.“

An Geschäftsmodelle und Wachstum denken die Unternehmen offenbar häufiger als an ihre Verantwortung. Laut einer YouGov-Umfrage aus dem Jahr 2021 empfinden es 70 Prozent der Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland als wichtig, dass Unternehmen digitale Verantwortung übernehmen. Aber: Rund ein Viertel der Befragten ist der Meinung, dass Unternehmen in Deutschland bisher kaum oder überhaupt nicht verantwortungsvoll mit der Digitalisierung umgehen – vor allem bei Fragen des Datenschutzes.

Können Unternehmen digitale Ethik?

Bei Corporate Digital Responsibility gehe es um weit mehr als um Fragen des Datenschutzes, sagt Andersen. „Nötig ist heute eine digitale Ethik, die sich mit komplexen Fragen von Moral und Verantwortung auseinandersetzt.“ Mögliche Fragen für Unternehmen sind: Wie verarbeite ich von außen kommende Daten? Wie setze ich KI-Anwendungen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ebenso wie für Kundinnen und Kunden verantwortungsvoll ein? Wie bilde ich meine Beschäftigten weiter, damit sie mit den sich wandelnden Anforderungen umgehen lernen? Und nicht zuletzt: Wie kann ich digitale Prozesse möglichst energiesparend aufsetzen?

Für Unternehmen bedeutet das, sich als gesellschaftlicher Akteur zu hinterfragen. „Der klassische CSR-Ansatz trifft nun auf die digitale Welt, denn datenbasierte Geschäftsmodelle werfen grundlegende Fragen der Verbraucherrechte, der Privatsphäre und der informationellen Selbstbestimmung auf“, sagt Deloitte-Experte Andersen. „CDR ergänzt die unternehmerische Verantwortung und denkt sie teilweise neu.“ Beispielsweise müssten Unternehmen die gesellschaftlichen Auswirkungen der digitalen Produkte und Dienstleistungen bereits in ihrer Entwicklung mit bedenken und sicherstellen, dass sie mit ihren Wertmaßstäben kompatibel sind. Andersen: „Somit wird CDR zu einer essenziellen Voraussetzung für Unternehmen, um unter Bedingungen der Digitalisierung überhaupt nachhaltig erfolgreich zu agieren.“

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